Hobotnica ispod peke

Hobotnica ispod peke

Essen in Dalmatien ist ja mal so ganz anders als hier. Hier heißt es Supermarkt, Nahrungsmittel kochen. In Dalmatien heißt es aber: Meer, Garten, Nahrungsmittel, kochen. Ganz fantastisch kochen sogar. Ich steh ja total auf die dalmatinische Küche. Zwar isst man dort auch gerne Fleisch (ganze Lämmer rotieren da über offenem Feuer am Spieß), aber mir hat es vor allen Dingen die maritime Küche angetan. Hier in Köln ist der Rhein nun mal kein Fischerparadies. Aber in Dalmatien, da holt mein Papa ohne Ende Dinge aus dem Meer, die wir dann im Nachhinein verspeisen. Super frisch obendrein. Muscheln, Fische, Schnecken (JA – Schnecken, auch lecker) und Tintenfisch (Calmar und Hobotnica ispod peke Krake hauptsächlich). Ein richtig typisches dalmatinisches Gericht ist die Hobotnica ispod peke, frei übersetzt: Krake unter der Eisenglocke. Die peka ist eine Eisenform, die auf einer Feuerstelle in und unter heißen Kohlen vergraben wird. Sie besteht aus einem Unterteil und einem glockenförmigen Deckel, den außen rum noch ein kleines Krönchen ziert. Sauschwer das Teil. Das Essen kommt in die peka und die peka in die heiße Glut. Oben, auf den Deckel, wird auch noch Glut verteilt. Das Krönchen verhindert, dass die Glut runterkullert. Und was da am Ende dann leckeres bei raus kommt, habe ich euch mal in ein paar Bildern zusammengefasst. Wer daheim ein Grillhäuschen oder Feuerstelle besitzt, kann das Gericht sogar nachkochen. Es ist total einfach.

Man benötigt lediglich:

  • Pro Person ca. 500g Krake
  • Pro Person ca. 500g junge Kartoffeln
  • (Meer-)Salz, schwarzer Pfeffer, Olivenöl

Das war’s auch schon an Zutaten. Man muss aber dafür folgendes beachten: die Krake sollte nicht wirklich frisch sein, sondern zuvor mindestens eine Woche im Gefrierfach verbracht haben. Mein Papa erklärt das so: „Wenn die Krake vorher nicht eingefroren wurde, ist ihr Fleisch total zäh. Da kannst du dann auch auf einem Stück Autoreifen kauen. Schmeckt auch so ähnlich.“ Aha. Kurz vorstellen, wie Autoreifen wohl schmeckt… Na gut. Dann halt doch gefrorenen Tintenfisch. Nun ist mein Papa natürlich Superman. Und alles, was er sagt stimmt. Ich habe aber trotzdem nochmal nachgefragt. Er hatte natürlich Recht. Selbst Restaurantköche verwenden für dieses Gericht nur gefrorene Krake. Alternativ kann man die frisHobotnica ispod pekeche Krake auch mit einem Hammer vermöbeln, um sie gefügig zu machen, aber Einfrieren scheint mir hier doch einfacher zu sein. Soviel zum Tintenfisch. Die Kartoffeln hingegen dürfen gerne frisch aus dem Garten kommen. Papas Garten geht auch. Und sie sollten jung sein. Winzig kleine Kullerchen, die zum Schälen natürlich eine Qual sind, aber einfach deutlich besser schmecken, als die ausgewachsenen Geschwister, die man dann noch in kleinere Stücke schneidet. In der Zeit, in der man die Kartöffelchen schält, kann der gefrorene Tintenfisch auch seelenruhig vor sich hin tauen.

Die aufgetaute Krake nochmal kurz abwaschen und trocken tupfen. In kleine Stücke schneiden. Die Fangarme werden vom Kopf getrennt. Der Kopf wird in Mundgerechte Stücke geschnitten. Die Innereien können weg. Das kommt nun auf den Boden der peka. Oben drauf die Kartöffelchen. Deckel drauf. Alles in die heiße, leuchtende Glut schieben und oben auf mit Glut zuschaufeln. Jetzt eine halbe Stunde lang den Blick aufs Meer genießen. Zurück zur peka gehen. Oben die Glut entfernen, Deckel runterhebeln. Die peka in Schieflage bringen (z.B. ein Stück Holz unter eine Seite schieben). Mit einem Schöpflöffel die ganze Flüssigkeit abschöpfen, die der Tintenfisch beim Garen verloren hat. Mein Papa sagt, das wäre ganz wichtig und ein saudummer Fehler, den viele machen würden. Die lassen die Flüssigkeit nämlich drin, und wundern sich dann, dass das Essen am Ende einfach nur gekocht ist, fade aussieht und eigentlich eher einer Fischsuppe gleicht. Die Flüssigkeit muss WEG. Danach rührt man kräftig um. Jetzt sollten Krake und Kartoffeln nicht mehr in zwei Lagen in der peka ruhen, sondern gleichmäßig verteilt sein. Pro Person einen guten Schluck (machen wir zwei draus) Olivenöl über das Essen gießen. Ordentlich salzen und Pfeffer. Nochmals kurz umrühren und den Deckel wieder drauf hieven. Oben auf nochmal neue Glut ansetzen und die peka rundherum g(l)ut einpacken. Wieder eine halbe Stunde lang den Blick aufs Meer genießen. Zurück zur Feuerstelle. Glut weg schieben, Deckel abnehmen und mit Bärenkräften die peka samt Inhalt zum Tisch tragen. Staunen, dran schnuppern, entzückt sein. Noch mehr Fotos machen. Essen und glücklich sein. Ja – so ist Urlaub schön.

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